Die Erstellung des Bauantrags

Die Erstellung des Bauantrags

Danach passiert leider sehr lange nichts mehr. Aufforderungen endlich den Bauantrag auf den Weg zu bringen, stoßen auf keine Resonanz. Es bedarf einer Androhung des Rücktritts vom Vertrag, um eine samstägliche Telefonaudienz beim Geschäftsführer Lamberty zu erhalten.

Bei der Nachrechnung des kritischen Pfades kam dann anscheinend auch Herr Lamberty zu dem Schluss, dass es nun Zeit wäre, sich um den Bauantrag zu kümmern.

Hurra jetzt arbeiten sie endlich am Bauantrag – aber strukturierte Arbeit geht anders

In den Folgetagen hatte der Dornröschenschlaf ein Ende und es wurde anscheinend begonnen, die Antragsunterlagen für den Bauantrag zu erstellen. Die Aktivität war klar zu erkennen, weil täglich mehrere unvermittelte Telefonanrufe eingingen, um irgendwelche Details zu klären (Heizung, Zisterne uvm.). Es ist anscheinend für einen Davinci Architekten nicht vorstellbar, dass Kunden einer Arbeit nachgehen und nicht mehrmals täglich vor Kollegen Fragen zu ihren privaten Vorhaben beantworten können, ohne ein negatives Vorbild abzugeben.

Als ich das Feedback gab, dass ich als Kunde diese Form der Datenerhebung als unstrukturiert empfand, bekam ich wohlgemerkt als Kunde unaufgefordert mitgeteilt, dass wir ja anscheinend unter einer ästhetischen Störung leiden, weil wir das Haus erklärter Maße so hoch wie zulässig bauen wollen. Dies von einem Davinci Architekt, der sich nie die Mühe machte die örtlichen Gegebenheiten mit eigenen Augen zu inspizieren.

Wollen Sie in die Kenntnisgabe oder in das vereinfachte Verfahren?

Die vermutlich dreisteste Frage wurde uns telefonisch am 20.02.2020 gestellt. Ohne uns vorher das Für und Wider zu erläutern, kam mal wieder unvermittelt ein Überfall:

Wollen Sie in die Kenntnisgabe oder in das vereinfachte Verfahren?

Auf meine Gegenfrage nach den abzuwägenden Argumenten, wurde mir mitgeteilt, dass das Kenntnisgabeverfahren für den Bauherren nur Vorteile habe (warum werde ich dann gefragt), aber der Architekt ein gewisses Haftungsrisiko übernehme.

In meiner Grußzügigkeit sagte ich zunächst, es wäre mir egal. Eine Internetrecherche auf den Seiten des Landes Baden-Württemberg brachte jedoch schnell zu Tage, dass eine Baugenehmigung im Kenntnisgabeverfahren in längstens 4 Wochen zu bekommen ist, während eine reguläre Baugenehmigung i.d.R. 4 Monate dauert.

Daraufhin gab ich schriftlich den Hinweis, dass ich wünsche, die Form der Baugenehmigung von dem Primat der Einhaltung der Lieferzeitzusage abhängig zu machen. Dies störte natürlich abermals die Befindlichkeiten des Davinci Architekten.

Noch ein weiterer Überfall kam am Tag vor der Abgabe des Bauantrags:

Ach übrigens, haben sie einen Bauleiter?

Glücklich, endlich den Bauantrag in den Händen zu halten und dass die Zusammenarbeit mit dem Davinci Architekten nun hoffentlich ein Ende hätte haben sollen, flatterte natürlich umgehend die zweite Abschlagsrechnung ins Haus, die wir pflichtbewusst sofort beglichen.

Doch dann nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung.

Es gibt Dinge die gibt es gar nicht: Beamter beim Digitalisieren des Bebauungsplans eingeschlafen und ein Architekt, der sich, wenn überhaupt, nur telefonisch mit den Inhalten des selbigen auseinandersetzt

Am Tag nach der Abgabe des Bauantrags teilte uns der Davinci Architekt mit, dass der Baubehörde aufgefallen sei, dass im übermittelten Bebauungsplan Passagen fehlten – insbesondere eine Bestimmung, dass Aufschüttungen und Abgrabungen nur bis zu einer Höhe von 50 cm zugelassen sind – und wir deshalb einen neuen Bauantrag im vereinfachten Verfahren zu stellen hätten. Die zulässigen Aufschüttungen überschritt die Planung von Davinci signifikant um einen Faktor 5.

In der dunklen Vorahnung, dass die Befreiung vielleicht kein Selbstläufer würde, fragte ich den Davinci Architekten, ob es nicht sinnvoll wäre, erst einmal das Haus genehmigen zu lassen, oder zumindest die Aufschüttungen zeichnerisch zu reduzieren.

Ich bekam zur Antwort ich könnte ja mal einen neuen Geländeverlauf zur Verfügung stellen. Dies tat ich natürlich sofort, plante signifikant niedrigere Aufschüttungen um dann zu hören:

Wir belassen es bei der ersten Zeichnung. Wir haben die volle Unterstützung des Bauamts.

Vermutlich hätte es eine halbe Stunde gedauert die Pläne zu ändern…

Einmal den Bauort mit eigenen Augen betrachten – anscheinend kein Muss für einen Davinci Architekten

Obgleich man als Architekt vermutlich hätte ahnen können, dass die Kacke bereits dampft, als die Baubehörde einen Straßenverlauf anforderte, erledigte diese Aufgabe unser Davinci Architekt souverän aus der Ferne mit einigen Angaben der Baubehörde und zeichnete zwar die von ihm geplanten Aufschüttungen aber nicht die bereits vorhandenen Aufschüttungen der Nachbarn, woraus sich natürlich ein etwas schräges Bild ergibt.

Und obgleich das Ergebnis zeigte, dass das geplante Haus höher wäre, als die Nachbarn im Osten und Westen, verzichtete er auf eine Nord-Süd Darstellung, die gezeigt hätte, dass das Haus niedriger ist als die Nachbarhäuser in der für die Belichtung so wichtigen Nord-Süd Richtung.

Architektur – vielleicht für die Sinne aber nicht für einen Baurechtsbeamten

„Die Bauvorlagen sind nach erster Durchsicht unvollständig bzw. weisen Mängel auf.“

Mit großen Augen las ich eine Woche nach dem Einreichen der Bauunterlagen den Satz „Die Bauvorlagen sind nach erster Durchsicht unvollständig bzw. weisen Mängel auf.“ Nun würde man ja vielleicht erwarten, dass der Ersteller eines unvollständigen oder mängelhaften Werkes in Erfahrung bringt, was schiefgelaufen ist. Nicht so unser Davinci Architekt. Der war anscheinend schon auf der Suche nach neuen Opfern.

Auch wurden wir zu keinem Zeitpunkt darauf hingewiesen, dass sämtliche Fristabläufe in so einem Falle gehemmt sind. D.h. man wartet im Zweifel bis Sankt Nimmerlein auf Entscheidung über den Bauantrag.

In das Kenntnisgabeverfahren mit zum Bebauungsplan abweichender Dachneigung – Wenn das mal gut geht

Bei einem Bauantrag im Kenntnisgabeverfahren prüft das Baurechtsamt die Unterlagen nicht zwangsläufig, weil die Behörden davon ausgehen, dass der Architekt seine Arbeit macht und der Bauplan alle Vorgaben des Bebauungsplans einhält. Ist dies nicht der Fall, ist kein Kenntnisgabeverfahren möglich.

Stellt sich nachträglich heraus, dass Vorgaben nicht eingehalten werden, verfügt das Baurechtsamt in der Regel einen Baustopp und die Baustelle gammelt auf unbestimmte Zeit vor sich hin.

Schwer überrascht hat uns die Tatsache, dass unser Davinci-Architekt einen Bauantrag mit einer Dachneigung von 30 Grad in das Kenntnisgabeverfahren gibt, während der Bebauungsplan eine Dachneigung von 27 Grad vorschreibt.

die ganze Geschichte lesen 

2 Gedanken zu „Die Erstellung des Bauantrags

  1. Diese Erfahrung habe ich zum Glück nicht mit Davinci- Haus gemacht. Qualität und Ausführung kann ich nur als perfekt bezeichnen. Auch nach mittlerweile vier Jahren fasziniert dieses Haus noch jeden Tag.

  2. Wow.
    Da scheint sich wieder die Erkenntnis zu bestätigen, dass der Kundenservice stark Personen und auslastungsabhängig ist und vielleicht weniger von der Exklusivität des Anbieters.
    Und natürlich, dass jede Schnittstelle (Anbieter –> Architekt) ein potentielles Fehlerrisiko darstellt, insbesondere wenn der Architekt Dienst nach Vorschrift macht, weil ihm der Kunde noch nicht einmal das Honorar kürzen kann wenn er nicht leistet so wie hier offensichtlich der Fall.

    Es ist schon generell sehr unlauter, wenn mit sportlichen Versprechen Verträge “erschlichen” werden die dann nicht eingehalten werde. Wir hatten das selbe Problem bei unserem Bau. Denn insbesondere wenn man Gewerke selber vergeben oder erledigen möchte ist man darauf angewiesen, dass jeder seinen Zeitplan grob einhält weil man sonst mit seinem Projektmanagement vor einem Scherbenhaufen steht und viel Stress zu bewältigen hat.

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